Schma Jisrael
Geistliche Einordnung zum Neuen Jahr
Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft (Dtn 6,5).
Der Januar ist die Zeit der guten Vorsätze und der Neuausrichtung. Was soll mir im nächsten Jahr wichtig werden? Was will ich loslassen, was nehme ich mir vor? Unser Monatsspruch lädt ebenfalls zur Neuausrichtung ein, zu einem klaren Lebensfokus: Gott zu lieben – mit meiner ganzen Kraft – das ist vorrangig. Alles andere: Gehaltshöhe, gesellschaftliche Anforderungen, günstige Schnäppchen – darf weit hinten rangieren. Jesus wird dieses Gebot übrigens später als eines der beiden wichtigsten zitieren: Gott lieben und den Nächsten wie mich selbst (Markus 12, 28–34). Juden rezitieren dieses Gebot morgens und abends. Es gehört zum „Schma Jisrael“, dem „Höre Israel“, das mit dem vorigen Satz beginnt: „Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig. Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben …“
Warum braucht es dieses Gebot? Manchmal brauchen wir Erinnerungen, damit uns das Wesentliche im Alltag nicht untergeht. Denn das Wesentliche und Größte haben wir dann gewonnen, wenn wir den lieben, dessen Liebe gänzlich uneigennützig ist. Der nicht das Seine sucht, sondern schaut, was seinen Menschen zum Besten dient.
„Gott lieben mit ganzem Herzen“ ist dabei nicht allein eine Sache der Emotionen. Im Hebräischen ist das „Herz“ nicht der Sitz der Gefühle, sondern der Gedanken, des Verstandes und des Willens. Gott möchte in unser Denken und Überlegen einbezogen sein. Ist die Gottesliebe nun eine reine Verstandessache? Nein, denn wir sind ja auch aufgefordert, Gott mit ganzer Seele zu lieben. Die „Seele“ wiederum ist das, was mich lebendig macht: meine Lebenskraft und meine Bedürftigkeit, meine Menschlichkeit. Hier klingt auch die emotionale Liebe an, jedenfalls wird in der Liebeslyrik genau so formuliert: Immer wieder besingt die Liebende im Hohenlied ihre Sehnsucht nach dem, „den meine Seele liebt“ (Hohelied 3, 1-4). In jüdischer wie christlicher Auslegung wurde die Liebessprache des Hohenlieds auf die Gottesliebe bezogen. Ja, auch solche Sehnsucht nach Gott klingt in dem Gebot an. Auch das glückliche Genießen der Nähe Gottes und das schmerzliche Vermissen, wenn Gott nicht zu finden ist, gehören zur Liebe. Liebe also mit Kopf und Herz, würden wir heute sagen, selbst da, wo er uns fern zu sein scheint und wo wir ihn so wenig spüren können.
Wer weiß, welche Überraschungen im neuen Jahr auf uns warten, dort, wo wir uns auf seine Liebe einlassen? Er rechnet bestimmt mit uns – rechnen wir mit ihm?
Es grüßt Sie herzlich und wünscht Ihnen ein gesegnetes neues Jahr, Ihre Pastorin Sabine Klatt.
Das ist nicht naiv und macht uns auch
nicht blind.
Krieg kennt nur Opfer, immer auf
beiden Seiten.
Für sie beten wir, wollen und werden aber auch nicht vergessen, wer der
Agressor ist.
Dies ist Putins Krieg!