Die Lutherkirche wurde 1912 erbaut, 1945 durch Bomben zerstört und 1958 neu gebaut.
Die erste Lutherkirche war ein repräsentativer Bau von gediegener Vornehmheit; sie wurde annähernd zeitgleich mit der Bebauung der den damaligen Hohenzollernpark begrenzenden Schillerstraße errichtet. Einige stattliche Wohnhäuser der Schillerstraße haben den Bombenkrieg überstanden und zeugen bis heute vom Zeitgeist nach der vorherigen Jahrhundertwende. Gesichertes Selbstbewusstsein und großbürgerliches Darstellungsbedürfnis schufen ansehnliche Bauten; in diesen Rahmen fügte sich die erste Lutherkirche ein.
Von ihr sind der Turm sowie der angeschlossene sogenannte Mittelbau und das Pastoratsgebäude erhalten. Diese Reste lassen nur noch erahnen, dass der ursprüngliche Zustand einen unaufdringlich prächtigen Eindruck gemacht haben dürfte.
Der damalige Architekt, Kirchenbaumeister Wilhelm Voigt, hatte vage historisierend, aber doch bei allem Eklektizismus eigenständig gebaut und auch die Innenausstattung mit Kanzelaltar und darübersteigender Orgel dürfte einen eindrucksvollen Sakralbau gebildet haben.
Am 12. März 1912 weihte Generalsuperintendent Kaftan die Lutherkirche ein; es wird ein stolzer, von echter Frömmigkeit und wilhelminischem Nationalbewusstsein getragener Tag gewesen sein. Aber was im Grundstein eingemauert war, zeigte dann seine Wahrheit: „Wo der Herr nicht das Haus baut, arbeiten umsonst, die daran bauen“ (Psalm 127,1). In der Kugel auf der Turmspitze war ein Kirchenblatt des Jahres 1912 eingeschweißt worden, in dem vom derzeitigen “flauen Frieden“ und von der Notwendigkeit, „zum Schwerte zu greifen“, die Rede war. Wir Nachgeborenen neigen dazu, in Derartigem eine erschreckende Hybris und einen gotteslästerlichen Übermut zu sehen. Tatsächlich bestand diese Lutherkirche nur 33 Jahre und ein paar Tage; die jetzige Kirche steht bereits länger da. Und in der Gemeinde war das Gefühl stark verbreitet, die Zerstörung der ersten Kirche sei als Strafe Gottes anzusehen; im Mosaik in der Eingangshalle der „neuen“ Kirche drückt sich das unübersehbar aus.


Kurz vor Kriegsende, am 4. April 1945, wurde die Kirche zerbombt. In der ruinierten Kirche wurde zehn Jahre lang in notdürftig hergerichteten Räumen das Gemeindeleben unterhalten, bis nach einem Entwurf des Architekten Paul Neve am 9. November 1958 der Kirchenneubau geweiht werden konnte.
Aus der alten Kirche stammen lediglich ein Buntglasfenster (heute im Raum der Stille), ursprünglich zum „Heldengedenken“ geschaffen und angemessen verändert, und ein Betonbalken mit der Aufschrift „Ein feste Burg ist unser Gott“ (heute über einem Seiteneingang).

Der Turm sollte um jeden Preis erhalten bleiben, was als Wunsch wegen seiner markanten barockisierenden Erscheinung einerseits unmittelbar verständlich ist, was aber andererseits eine konzeptionelle Neugestaltung schwer machte. Sie ist denn auch nur begrenzt gelungen.
Die Kirche hat kaum einen Bezug zum Turm; beide Bauten sind lediglich durch die Eingangshalle, die sich zudem durch eine gläserne Front unauffällig macht, miteinander verbunden. Die Kirche ist für den Turm ohnehin „zu klein“. Auch erhebt der Kirchenneubau keinerlei repräsentativen Anspruch, die Zeiten waren nicht danach. Nur wenige bescheidene Schmuckelemente kamen von vornherein vor. Bemerkenswert ist die geschmackvoll-dezente Versetzung der Backsteine in regelmäßigen Abständen an der Altarwand, die auch außen, der Schillerstraße zugewandt, dekorativ auftaucht, eine noppenartige Auflockerung des Mauerwerks. Diese Außen-Innen-Entsprechung wird dadurch fortgesetzt, dass sowohl über dem Altar als auch straßenseitig große, mehrere Meter hohe Holzkreuze angebracht sind, und zwar außen schwarz, innen weiß lackiert.
Einige Jahre später und nacheinander im Abstand von wenigen Jahren wurden dann die neuen Buntglasfenster und das Mosaik in der Eingangshalle als künstlerische Ausgestaltung hinzugefügt, was in der Baukonzeption so auch vorgesehen, aber nicht sogleich finanzierbar war.
Erst zu Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es einen erneuten Anlauf, die Kirche mit weiteren Kunstobjekten anzureichern, um sie eindrücklicher als Sakralbau erlebbar zu machen. Es wurden die fünf Holzplastiken von Ryszard Zajac angeschafft und der Kirchenvorplatz wurde durch ein Lutherrosen-Mosaik und zwei Terrakotta-Medallions, die Luther und Melanchthon zeigen, aufgewertet. Das alles, nachdem am anderen Ende des Komplexes der Neubau des Lutherhauses im Jahre 1981 einen anspruchsvollen Akzent gesetzt hatte.

Die würdige, in sich stimmige Geschlossenheit von ehedem hat der gesamte Baukomplex heute nicht mehr. Stattdessen aber zeigt jede einzelne Verschönerung und Erweiterung das Betreben der  Verantwortlichen, eine angemessene Stätte zu schaffen, an der sich die Gemeinde zum Lobe Gottes versammeln kann.

Pastor Rainer Sieg †